Hessische Lexikografen und ihre Wörterbücher - 09. April 2019

Dr. Bernd Vielsmeier
Hessen und insbesondere die Wetterau haben eine Reihe von bedeutenden Verfassern von Wörterbüchern hervorgebracht. So stammt das erste deutsche Wörterbuch von dem aus Bruchenbrücken stammenden Reformator, Dichter und Lexikografen Erasmus Alberus. Sein 1540 erschienenes "Novum Dictionarium genus" erschien 1540 in Frankfurt. Das neue an dem Wörterbuch war die rückläufige Anordnung der Stichwörter. Ein anderes, aus beruflichen Gründen, angelegtes Werk war das 1822 in Gießen erschienene "Wörterbuch der in Teutschland üblichen Spitzbuben-Sprachen in zwei Bänden die Gauner- und Zigeunersprache enthaltend" von F. L. A. von Grolman, "Großherzoglich-Hessischen wirklichen Hofgerichtsrathe und ersten Criminalrichter in der Provinz Oberhessen". Er hatte als Richter die Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden dingfest zu machen. Dafür brauchte er ein Wörterbuch, um seine "Kunden" auch zu verstehen. Die Gebrüder Grimm, die durch ihre Sammlung deutscher Volksmärchen bekannt geworden sind, gaben 1854 den ersten Band von ihrem "Deutschen Wörterbuch" heraus, dem ersten Wörterbuch, das versuchte den gesamten deutschen Wortschatz zu beschreiben. An diesem lexikografischen Großunternehmen wird noch heute gearbeitet. Karl Weigand plante ein Wetterauer Wörterbuch, dessen Material Wilhelm Crecelius mit seinem "Oberhessischen Wörterbuch" verarbeitete. Für die Dokumentation und Beschreibung der Dialekte Hessen sind zwei Großprojekte begonnen worden: in Gießen ist für die beiden Provinzen Starkenburg und Rheinhessen das "Südhessische Wörterbuch" bearbeitet worden und für Hessen nördlich des Mains in Marburg das "Hessen-Nassauische Wörterbuch“.

Der Vortrag vermittelte einen Einblick in die Wörterbuchlandschaft Hessens und die Personen, die diese Wörterbücher in den letzten fünf Jahrhunderten verfassten.