Veranstaltungen 1. Hj 2018

Vorträge

Vampirismus. Ein europäisches Grenzphänomen
Prof. Dr. Thomas Bohn, 23.01.2018

Der schillernde Ausdruck „Vampir“ ersetzte in der westlichen Öffentlichkeit nach der Entdeckung einer geheimnisvollen Seuche in der Habsburgischen Militärgrenze 1731 nicht nur den Topos der „Türkengefahr“, sondern symbolisierte in den Debatten um die „Orientalische Frage“ und die „polnische Gefahr“ vor dem Erscheinen des Dracula-Romans 1897 auch einen „clash of civilizations“. Weil die Grenzgebiete der europäischen Vielvölkerreiche zum Hort der Rückständigkeit stilisiert wurden, ließ sich das Phänomen des Vampirs entlang einer Linie abbilden, die vom Donau-Balkan-Raum über den Karpatenbogen bis in die Territorien des alten Polen reichte. Dabei vollzog sich in der Imagination des Vampirs eine Metamorphose vom aufgeblähten Leichnam zum blutsaugenden Wiedergänger. Um zu ermessen, wie und warum es in den westlichen Medien zu einem Siegeszug der Vampire kommen konnte, ist zu problematisieren, wann und weshalb das östliche Europa zu ihrem Refugium stilisiert wurde. Dabei wird die Perspektive auf die Entstehung und Entwicklung eines Diskurses gerichtet, der im Spannungsfeld von osteuropäischem Volksglauben und westeuropäischen Klischees angesiedelt ist.

Gewalt und Gemeinschaft von Landsknechten – die Entstehung eines neuen Söldnertypus
Dr. Stefan Xenakis, 13.03.2018
„... liebe Herren, ein unerhörter Krieg ist das“, schreibt der Ulmer Ratsherr Matthäus Neithardt im Jahr 1504 aus dem Landshuter Erbfolgekrieg. Meutereien und wildes Plündern sind an der Tagesordnung. Man bediente sich eines noch neuen Instruments: Massenheere von Söldnern; den berühmten und berüchtigten Landsknechten. Der Vortrag beschreibt Formen, Anlässe und Motive ihrer Gewalt. Es geht um die Auswirkungen auf ihre Gruppe, aber auch um die Menschen, die ihnen zum Opfer fallen. Aus Augenzeugenberichten wird ihr Handeln erschlossen und mit historisch-soziologischen Methoden untersucht. So lässt es sich mit den heutigen, so genannten „Neuen Kriegen“ vergleichen. Und es zeigt sich: Gewalt wirkt gemeinschaftsbildend. Sie schweißt Gruppen enger zusammen, entzieht sie der obrigkeitlichen Kontrolle und bringt weitere Gewalt hervor.

Die Funde von Altenstadt/Höchst
Jaqueline Kurz, 19.04.201, 19.00 Uhr

Spätestens seit der Entdeckung des Fürstensitzes des Glaubergs spielt die ältere Eisenzeit eine große Rolle in der Geschichtsforschung der Wetterau. In den letzten Jahren sind es besonders die Flachlandsiedlungen, welche genauer in Augenschein genommen werden. Zu diesen zählt auch die ältere eisenzeitliche Flachlandsiedlung in dem geplanten Neubaugebiet  Altenstadt-Höchst „Die Beune“, welche im Zeitraum vom 06.04.2016 bis 08.08.2016 archäologisch untersucht werden konnte. Hierbei konnten  teils sehr tief erhaltene Entnahmegruben sowie 25 Silo-/Vorratsgruben der Siedlung ergraben werden. Aus diesen konnten sehr viele Funde geborgen werden, welche auf das alltägliche Leben der eisenzeitlichen Bewohner der Siedlung hinweisen. Funde wie etwa eine Dechsel geben einen Einblick in das Spektrum der verwendeten Werkzeuge, doch auch Webgewichte und Spinnwirtel lassen auf eine eigene Produktion von Stoffen schließen.
Viele Fragmente grobkeramischer Vorratsgefäße, sowie höchst sorgfältig gearbeitete feinkeramische Schalen und Töpfe konnten bei den Untersuchungen geborgen werden. Einige von ihnen zeigen Verzierungen in Form von aufgesetzten Zierleisten, Fingerabdrücken, Kammstrich, sowie Eindrücke und Ritzlinien. Ein besonderes komplett erhaltenes Objekt bildet ein S-förmiger Topf mit dem Ritzmuster der Hessisch-Thüringischen-Strichverzierung mit Resten weißer Inkrustierung.

Schinderhannes und seine Miträuber in dem Jahr, in dem er zum „Nationalhelden“ wurde
Christian Vogel, 08.05.2018, 19.00 Uhr

Der Referent wird ein zurzeit noch in Arbeit befindliches „Nebenprodukt“ seiner im Frühjahr 2017 in zwei Bänden von insgesamt 1010 Seiten vorgelegten Arbeit vorstellen, in der er den Verlauf der Revolutionskriege in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt im Kontext des Verlaufs im Rhein-Main-Gebiet darstellt. In den zwei Jahrzehnten Forschungsarbeit, die hierfür erforderlich waren, ist er flächendeckend das gesamte Archivmaterial durchgegangen, das aus dieser Zeit in den fünf Staatsarchiven in Darmstadt, Frankfurt, Marburg, Wiesbaden und Würzburg verblieben ist. Der 200. Jahrestag des Endes von Schinderhannes gab hierbei den Anlass, auch alles das Archivmaterial zu erfassen, das sich zum Thema „Räuber“ fand und größtenteils noch nie verwertet worden ist.
Als Beiprodukt der größeren Arbeit sollen diese Ergebnisse jetzt unter dem Titel „Schinderhannes und Schwarzer Jonas“ und dem Untertitel „Ihr gemeinsamer Weg in den Untergang als Grenzgänger zum Rauben über den Rhein, als Schinderhannes zum Mythus wurde, und ihre Miträuber (1801-1803)“ in einer eigenen Veröffentlichung vorgelegt werden. Bewusst ist diese im Hauptteil beschränkt auf die letzte Zeit von Schinderhannes, in der er nicht mehr wie vorher nurmehr ein lokaler Räuber im Hunsrücker Land war, sondern auf beiden Seiten des Rheins operierte und dabei deutschlandweit berühmt und schließlich zum Mythus wurde. Völlig zu Unrecht, da seine Taten nicht mit seinem Ruf im Einklang standen. In einem zweiten Teil ist außerdem das gesamte Räuberwesen im Rhein-Main-Gebiet in der Zeit von etwa 1790 bis etwa 1805 behandelt, soweit es sich aus den Quellen erschließen lässt. Der Schwarze Jonas genannte Räuber war im Übrigen eine Figur der Wetterau, ohne die Schinderhannes in seiner letzten Zeit nicht denkbar ist. In Büdingen tritt auch bei diesem Thema das Problem „Standesherrliche Archive“ schmerzlich ins Bewusstsein. Dem Referenten war es zwar möglich, über die berühmten Überfälle von Hain-Gründau und Bönstadt anderweitig Material ausfindig zu machen. Die Büdinger Standesherrlichen Archive können da aber sicher viel mehr bieten.
Verwertet wurden über Informationen aus Archiven die Informationen, die seit 1801 über Schinderhannes und Kumpane im Druck vorliegen. Das Jahr 2003 hat da einen besonderen Schub gebracht durch die Trierer Digitalausgabe der vorher nur in wenigen Altdrucken vorliegenden Prozessdrucksache von einigen tausend Seiten und die bahnbrechenden Analysen des Kostheimer Ägyptologen Bayerlein. Der Vortrag wird mit Bildern illustriert.

„Neues vom Glauberg“
Dr. Axel Posluschny, 05.06.2018, 19.00 Uhr

Der Glauberg ist spätestens seit den sensationellen keltischen Grabfunden in den 1990er Jahren weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Diese Funde waren sogar der Anlass für den Bau des Museums der Keltenwelt am Glauberg, das die Funde im Original präsentiert. Aber immer noch sind nicht alle Fragen um den Glauberg und seine lange Besiedlungsgeschichte von der Jungsteinzeit bis in das Mittelalter geklärt, weshalb das dem Museum angeschlossene Forschungszentrum intensiv daran arbeitet, dem Glauberg seine Geheimnisse zu entreißen. Der Vortrag fasst das bislang Bekannte zusammen und bietet darüber hinaus einen Einblick in die neuesten Untersuchungen des Forschungszentrums.

Zeitzeugen im Heuson-Museum
14. Juni 2018, 19.00 Uhr

„Fragt uns, wir sind die letzten!“  Unter diesem eindringlichen Leitwort kommen am 14. Juni 2018 Zeitzeugen aus Konzentrationslager ins Heuson-Museum. Sie berichteten über ihre Haft in den Lagern während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft.

Mitgliederversammlung des Büdinger Geschichtsvereins
21. Juni 2018, 19.00 Uhr

3-Tage-Fahrt nach Verdun und in das Elsaß
Das Ende des ersten Weltkriegs jährt sich in diesem Jahr zum hundertsten Mal. In Kooperation mit der Firma Balser Reisen wird eine Fahrt zu den Schauplätzen rund um Verdun und im Elsaß angeboten. Nähere Auskünfte und Buchung direkt bei Balser Reisen unter 06042-96340. Drei Termine stehen für die Fahrt zur Auswahl:
25. – 29. April
02. – 06. Mai
22. – 26. August

2018 wird Band XXV der Büdinger Geschichtsblätter erscheinen. Er wird viele interessante Beiträge zur Geschichte Büdingens enthalten. Stichworte sind „Hexenverfolgung“, Büdinger Schützengesellschaft, Remigiuskirche, Ausgrabungen, ...