Veranstaltungen 2. Halbjahr 2019

Vorträge im 2. Halbjahr 2019, Beginn jeweils 19.00 Uhr

10. September
Werner Erk
Luftaufnahmen der Air-Force zwischen 1945 und 1953 dokumentieren die Landschaftsveränderungen

Sowjetische Panzerverbände rollen durch die Fulda-Lücke in die Hessische Senke. Es war das Schreckensszenario der 40er und 50er Jahre. Die amerikanische Luftwaffe ließ daher unzählige hochauflösende Luftbilder unserer Gegend anfertigen, um genaue militärisch nutzbare Geländekarten erstellen zu lassen. Aus den Archiven der Airforce hat der Leiter des Forschungszentrums auf dem Glauberg, Dr. Axel Posluschny, im letzten Jahr eine Auswahl dieser beeindruckenden Fotos um den Glauberg herum übernehmen können.
Werner Erk beginnt mit dem Überflug über die Nidder/Seemenbach-Aue bei Lindheim - ohne Umgehungsstraße und ohne A 45. Für junge Menschen ein völlig unbekannter Anblick. Das winterlich verschneite Plateau des Glaubergs vom 25.1.1945 zeigt detailliert die Ausgrabungsflächen mit Hauskellern, Mauerzügen, das Burggebäude hinter dem weitgehend abgeholzten Ringwall.
Dunkle Erinnerungen wecken bei Älteren die Splittergräben entlang der baumbestandenen Landstraße, heute L 3191. Sie sind im Sommer 1947 wieder verschwunden unter kleinteiligen Ackerflächen und kurzgemähten Straßengräben. Nidder und Bleichenbach schlängeln sich ohne Baum und Strauch durch die Wiesen. Auf dem Gelände der ehemaligen Flachsröste, heute Baumarkt, erheben sich haushohe Stapel von getrocknetem Flachs zur Leinenherstellung. Das längst abgebaute Bahngleis führt zum Stockheimer Bahnhof mit Wasserturm und Drehscheibe. Dahinter der heute mit Hausmüll zugeschüttete Dünsberg als wilder schroffer Basaltaufschluss. Nah dabei führt eine mächtige Baumallee in Richtung Leustadt.
Vor dem Lohrrain ist deutlich der alte Sportplatz der Glauberger Fußballer zu erkennen. Auf dem steilen Hang des Lohrrains stehen verloren nur wenige Bäume inmitten der Schafweide. Drei dunkle runde Punkte zeugen hier von dem aberwitzigen Unternehmen dreier Glauberger Männer im Frühjahr 1945 noch Bunkerstollen in das Rotliegend-Gestein zu treiben.
Die Glauberger Mühle liegt weit vor dem Dorf; Turnhalle, Sportplatz und Häuser jenseits des Bahnhofes gibt es noch nicht. Überall ausgedehnte Gemüsegärten. Ausgedehnte Streuobstwiesen umkränzen noch die Dörfer.

15. Oktober
Dr. Dieter Wolf (Leiter des Museums und Stadtarchivs der Stadt Butzbach)
Die Wetterau vor rund 300 Jahren - Dörfer, Städte und Region zwischen ca. 1650 und 1750

Dieser Zeitspanne zwischen ca. 1650 und 1750 geht der dreißig Jahre mit unterschiedlicher Vehemenz auch im Herzen Deutschlands wütende Große Krieg voraus, der weite Teile der Landschaft in ein Trümmerfeld und in eine Wüstenei verwandelte. Bekanntlich erschien das Residenzstädtchen Butzbach im Dreißigjährigen Krieg durch die geschickte Diplomatie seines hier residierenden Duodezfürsten Philipp von Hessen-Butzbach (1609-1643) – fast – wie eine „Insel des Friedens“, bis der plötzliche Unfalltod des fürstlichen Schirmherren dem jäh ein Ende bereitete, und die letzten fünf Jahre im Krieg Butzbacher nahe an den Rand des Untergang brachten.
Im Dreißigjährigen Krieg war noch einmal sehr stark der Konfessionskonflikt ausgebrochen, wobei die vom Mainzer Erzbischof ausgehenden Rekatholisierungsversuche in der weitgehend protestantisch gewordenen Wetterau nur stellenweise fruchteten.
Nach dem Ende des 30jährigen Krieges wurde der konfessionelle Status Quo festgefroren, die meisten Dörfer und die Städte der Landschaft blieben evangelisch, nur einzelne Orte, vor allem die zumKurfürstentum Mainz und einzelnen katholischen Ortsherren gehörigen Dörfer blieben katholisch (eine Veränderung machte sich erst nachdem 2. Weltkrieg durch den Zuzug der Heimatvertriebenen bemerkbar).
Die Wetterau blieb bis zum Ende des Alten Reiches (1806) ein Konglomerat ganz vieler weltlicher und geistlicher Herrschaften, erschien nach außen hin vor allem als eine blühende Adelslandschaft. Die Ritterschaft hatte einen ihrer bedeutenden Mittelpunkte in Deutschland in der ansehnlichen kaiserlichen Burg Friedberg, deren über 100 Mitgliedsfamilien eine Art von Adelsrepublik bildeten. Umgebaute ältere Burgsitze, Schlossanlagen und Gutshöfe erinnern zum Teil bis heute an die barocken Territorial- und Ortsherren der Wetterau.
Nur in seltenen Fällen wurden noch vor dem 19. Jahrhundert Ortserweiterungen vorgenommen, meist nach verheerenden Brandkatastrophen, die oft mit der zu engen Bauweise der uralten Dörfer, die im Laufe von Jahrhunderten immer enger wurde, wobei es auch etliche Ausnahmen gibt, die sicherlich noch längst nicht alle erkannt sind: Groß-Karben, Nieder-Wöllstadt (Neustadt 1670), Bruchenbrücken, Lindheim und andere gehören dazu.
„Ein vorsichtiger Blick über den Tellerrand“, für den barock geprägten Zeitabschnitt der von Feudalismus und Absolutismus, aber auch von ersten Ideen der Aufklärung geprägten Epoche zwischen etwa 1650 und 1750 wird vom Redner gewagt werden. Dabei werden zwar die großen Themen dieser Zeit benannt, können aber auf wie so vieles andere nicht genauer erörtert werden.
Der Referent verspricht, dass die interessierten ZuhörerInnen einen bebilderten, bunten, breitgefächerten wie vielseitigen Einblick in die Vergangenheit unserer Heimatregion vor 300 Jahren erhalten werden.

19. November
Christoph Röder M.A., Keltenwelt am Glauberg
Neue archäologische Forschungen zum Glauberg in spätstaufischer Zeit – Von der Burg zur Stadtgründung

Der Archäologe Christoph Röder referiert über die neuen und alten Forschungen zu diesem Thema. So haben neue Untersuchungen des Forschungszentrums der Keltenwelt am Glauberg in Kooperation mit der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen e.V. in den letzten Jahren umfangreiche Funde und Befunde zur mittelalterlichen Nutzung des Glaubergs erbracht. Umfangreiche Prospektionen, Vermessungen und Grabungen (z. B. den jährlichen Sommerakademien der hessenARCHÄOLOGIE), aber auch die gezielte Auswertung von älteren Grabungen verdichteten den Kenntnisstand zu dieser auf dem Glauberg bisher wenig beachteten, dennoch aber sehr präsenten Epoche. So sind fast alle obertägig zu sehenden Geländeformen auf dem Glaubergplateau mittelalterlich, die anderen wurden zumindest im Mittelalter überprägt. Im Fokus der Ausführungen liegt die Endphase der Besiedlung des Glaubergs in der Mitte des 13. Jahrhunderts, als dieser zur Stadt ausgebaut wird und wenig später wüst fällt.