Schinderhannes und seine Miträuber in dem Jahr, in dem er zum „Nationalhelden“ wurde - 08. Mai 2018

Christian Vogel wird ein zurzeit noch in Arbeit befindliches „Nebenprodukt“ seiner im Frühjahr 2017 in zwei Bänden von insgesamt 1010 Seiten vorgelegten Arbeit vorstellen, in der er den Verlauf der Revolutionskriege in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt im Kontext des Verlaufs im Rhein-Main-Gebiet darstellt. In den zwei Jahrzehnten Forschungsarbeit, die hierfür erforderlich waren, ist er flächendeckend das gesamte Archivmaterial durchgegangen, das aus dieser Zeit in den fünf Staatsarchiven in Darmstadt, Frankfurt, Marburg, Wiesbaden und Würzburg verblieben ist. Der 200. Jahrestag des Endes von Schinderhannes gab hierbei den Anlass, auch alles das Archivmaterial zu erfassen, das sich zum Thema „Räuber“ fand und größtenteils noch nie verwertet worden ist.

Als Beiprodukt der größeren Arbeit sollen diese Ergebnisse jetzt unter dem Titel „Schinderhannes und Schwarzer Jonas“ und dem Untertitel „Ihr gemeinsamer Weg in den Untergang als Grenzgänger zum Rauben über den Rhein, als Schinderhannes zum Mythus wurde, und ihre Miträuber (1801-1803)“ in einer eigenen Veröffentlichung vorgelegt werden. Bewusst ist diese im Hauptteil beschränkt auf die letzte Zeit von Schinderhannes, in der er nicht mehr wie vorher nurmehr ein lokaler Räuber im Hunsrücker Land war, sondern auf beiden Seiten des Rheins operierte und dabei deutschlandweit berühmt und schließlich zum Mythus wurde. Völlig zu Unrecht, da seine Taten nicht mit seinem Ruf im Einklang standen. In einem zweiten Teil ist außerdem das gesamte Räuberwesen im Rhein-Main-Gebiet in der Zeit von etwa 1790 bis etwa 1805 behandelt, soweit es sich aus den Quellen erschließen lässt. Der Schwarze Jonas genannte Räuber war im Übrigen eine Figur der Wetterau, ohne die Schinderhannes in seiner letzten Zeit nicht denkbar ist. In Büdingen tritt auch bei diesem Thema das Problem „Standesherrliche Archive“ schmerzlich ins Bewusstsein. Dem Referenten war es zwar möglich, über die berühmten Überfälle von Hain-Gründau und Bönstadt anderweitig Material ausfindig zu machen. Die Büdinger Standesherrlichen Archive können da aber sicher viel mehr bieten.

Verwertet wurden über Informationen aus Archiven die Informationen, die seit 1801 über Schinderhannes und Kumpane im Druck vorliegen. Das Jahr 2003 hat da einen besonderen Schub gebracht durch die Trierer Digitalausgabe der vorher nur in wenigen Altdrucken vorliegenden Prozessdrucksache von einigen tausend Seiten und die bahnbrechenden Analysen des Kostheimer Ägyptologen Bayerlein. Der Vortrag wird mit Bildern illustriert.